Maschinige Weihnachten – Geschenke für den ganz normalen Physiker #3

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Christbaum und Reflexionskörper
Nadelbaum, rot und Reflexionskörper. Foto von WillyPayne.

Bücher und Musik sind ja schön und gut. Aber manchmal braucht so ein Physiker auch etwas handfesteres, mit dem er den lieben langen Weihnachtstag hantieren kann.
Etwas, das seine niederen Instinkte anspricht, dabei aber auch nicht sein Physiksein übergeht.
In unserem dritten Geschenktipp geht’s um Maschinen. Und Blitze.

Hardware für Physiker

Maschinen, von der Größe Hubbles oder eines ATLAS’, sind leider relativ unpraktikabel im Transport und miefen dazu auch noch unangenehm.
Fangen wir mit unseren Hardwaretipps lieber etwas kleiner und duftneutraler an.

Plasmakugel

Wir haben eine, das CERN hat eine; wir haben sogar eine zu unserem Logo gemacht: Plasmakugeln. Eine Glaskugelschale, befüllt mit einem Gas und einer Elektrode im Zentrum. Packt man Strom dran, gibt’s wunderhübsche Blitze in allen Facetten von Lila und Pink und sowas.
Wer braucht ein Kaminfeuer, wenn er stattdessen die warmen Farben des Plasmas beobachten kann? Gemeinsam, mit seinem Lieblingsbuch, einem Glas Rotweinapfelsaftschorle – und der Plasmakugel. Romantik pur.

Mikrowelle (handelsübliche)

Etwas, was viel bodenständiger und alles andere als so exotisch wie eine Plasmakugel ist, kann trotzdem eine völlig verzaubernde Wirkung auf die Experimentalgene des Physikers haben: eine Mikrowelle.
Hä? Doch. Richtig. Eine Mikrowelle kann nicht nur dazu benutzt werden, die gesammelten Mensareste der Woche am Wochenende warm zu machen. In einer Mikrowelle findet Physik statt – und mit der kann man Spaß haben.
Man kann Schaumküsse reinstellen, kann auf alten CDs1 Blitze zaubern und kann mit einer simplen Schokolade die Lichtgeschwindigkeit bestimmen. Außerdem kann man alle möglichen Dinge explodieren lassen (Achtung: Bitte keine Tiere! Also keine Lebendigen!).

Oszilloskop

Zum Must-Have-Equipment eines Physikers zählen ganz klar die folgenden beiden Geräte.
Möchte man mal untersuchen, wie denn die Spannung da aussieht, die aus der Steckdose kommt, ohne danach eine neue Frisur undoder gar keine mehr zu haben, empfiehlt sich die Anschaffung eines Oszilloskops. Oder am besten direkt zwei Stück, dann kann man mit seinem Lieblingsphysikkollegen das lustige »Wer macht die tollsten Graphen«-Spiel spielen. God-Mode-Tipp: Nachglühen auf Maximumstufe.
Ein Geiger-Zähler sollte auch in jedem guten Physikerhaushalt seinen Platz haben. Allein schon wegen des Humorpotenzials: Es gibt wenig Lustigeres, als seine Umgebung konstant auf radioaktive Zerfälle zu untersuchen. Beim Bäcker. Bei der Sicherheitskontrolle des Flughafens. An der Fleischtheke. Spaß garantiert – erst recht mit einem »Override«-Button, der das typische Klicken auch ohne Zerfall auslöst!

Mit Hochspannung kann man auch eine Menge Spaß haben. Blitze sind schließlich immer toll, erst recht wenn sie außerhalb von Gewittern stattfinden.
Eine handelsüblichen Teslaspule lässt handliche Blitze entstehen, die sogar locker länger als ein Meter werden können – je nach Größe der Spule. Oropax sind dem Geschenk beizulegen.
Außer man baut mit einer singenden Teslaspule das wohl coolste nichterwähnte Instrument unserer Instrumentenliste von vorgestern. Dann kann man ruhig mal eine teslagesungene Symphonie gegen einen Tinnitus eintauschen. Soviel Opferung darf sein – für die Wissenschaft!
Nach anderem Prinzip, aber mit ähnlichem Resultat funktioniert die Influenzmaschine, bei der zwei Scheiben aneinanderreiben und so Spannungen erzeugen. Knackt schön und ist mal sowas von angewandte Physik.

Die Königin unter allen Physikmaschinen ist wohl ohne Frage die Schwarzes-Loch-Maschine. Nichts ist so vielfältig einsetzbar, macht keinen Schmutz (und wenn, ihn selbst wieder weg) und ist dazu noch tierlieb. Über diese Maschine als Geschenk freuen sich Frau und Mann, da kann man eigentlich nicht viel falsch machen.
Der einzige Haken: Sie ist nicht ganz billig.

Billiger, wahrscheinlich der günstigste Punkt auf unserer Liste, ist da flüssiger Stickstoff2. Bei knapp 200°C unter Null kann man mit Flüssigstickstoff nicht nur im Nu Eis aus nahezu beliebigen Zutaten3 zubereiten, man kann auch relativ fix das Schloss seiner Wohnung knacken, wenn man sich ausgeschlossen hat. Ist das nicht toll!? Und das beste: Er dampft!
Der Partyspaß für die ganze Familie. Nur Achtung: -200°C-kalter Stickstoff ist kalt. Sehr kalt. Ungefähr -200°C kalt.

Morgen geht’s im letzten Teil unserer physikBlog-Weihnachtsgeschenkserie um etwas praktikableren Kram.

  1. Die Dinger, die es vor Mp3s gab. Ihr wisst schon. []
  2. Jaja, eigentlich keine Maschine. Aber wohl noch weniger ein Buch, ja?! []
  3. Schonmal Luftpumpeneis probiert? []
Kurzlink
Kategorien: Weihnachtisiertes
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5 Antworten auf Maschinige Weihnachten – Geschenke für den ganz normalen Physiker #3

  1. ctx sagt:
    #1

    Good one, dudes.

    Das mit der Schokolade wird auf jeden Fall reproduziert.

    happy holidays!

  2. Andi sagt:
    #2

    Wir haben zum Mikrowellen-Lichtgeschwindigkeit-Versuch bereits ein Video zu geschossen. Nur um beim Filmen dann zu merken, dass das mit unserer Mikrowelle nicht klappt. Naja.

  3. Matthias sagt:
    #3

    Habt ihr für den Stickstoff auch eine Bezugsquelle? Wo bekommt man sowas in haushaltsüblichen Mengen? An der Tanke hab ich’s noch nicht gesehen

  4. Andi sagt:
    #4

    Nee, Matthias, keine Ahnung. Unser Händler ist lokaler Natur ;).

  5. André sagt:
    #5

    @Matthias: Ich denke bei Linde Gas wird man fündig werden. Allerdings nicht unbedingt billig.
    Wenn du irgendwie Kontakte zu einer Uni hast, die eine Verflüssigungsanlage betreibt, versuchs darüber. Die eigentlichen Kosten sind vernachlässigbar, so dass die eigentlich keine Probleme damit haben, mal was abzugeben.