SARA vergleicht Physiker

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Kommentare
einsteinfeynmantopmodell

Mit unfassbar tollem und weihnachtenlichem Gewinnspiel am Ende des Artikels!
Es ist eine Schande: Noch immer hat sich keine einzige Castingsendung für Physiker etabliert. Nicht nur in der deutschen TV-Landschaft ist dieser Missstand zugegen, auch im Ausland sieht die Situation nicht besser aus. Wie aber soll man einschätzen, ob man wirklich der beste aller Physiker ist, wenn man sich nicht öffentlich auf einer großen Showbühne vor unfähigen Juroren beweisen darf? Wenn man nicht die Möglichkeit bekommt, sich in einem fairen Telefonvoting-Verfahren durchzusetzen?

Das Menschenrecht auf Teilnahme an Castingshows wird wohl noch eine Weile auf sich warten lassen1. Und so müssen wir Physiker uns andere Methoden ausdenken, uns miteinander zu messen. Schwertkampf fällt weg2, Wettlauf auch3, und Eckenrechnen haben die Grundschüler schon für sich beansprucht. Was bleibt? Genau: ein Zietierungs-Ranking!

Das Bewertungssystem SARA (Science Author Rank Algorithm), nicht zu verwechseln mit SARS (Vogelgrippe), wurde von Alessandro Vespignani und Mitarbeitern an der Indiana University entwickelt. Vespignani ist studierter Physiker, Professor für Informatik und beschäftigt sich intensiv mit der Untersuchung von Netzwerken. SARA nutzt ein solches Netzwerk, um zu beurteilen, wie groß der Einfluss von Wissenschaftlern innerhalb des Wissenschaftsbereiches ist.

Feynman

Angewandt wurde der Algorithmus zuerst auf Vespignanis eigene Studienrichtung: auf die Physik. Im Phys Author Rank Algorithm kann man die Namen von Physikern eingeben und bekommt sodann ein Histogramm dargestellt, welches anzeigt, wie viel Prozent der Physiker in einem bestimmten Zeitraum häufiger zitiert wurden als die gesuchte Person4. Ausgewertet wurde dazu die gesamte Zeitschriftenfamilie der Physical Review im Zeitraum von 1893 bis 20065. Entsprechend kommen auch nur Autoren in dem Ranking vor, die mindestens einmal in einem dieser Blätter veröffentlicht haben.

Das tolle an SARA: Es werden nicht einfach Zitate gezählt, sondern es wird ein Netzwerk aus Zitaten aufgebaut, passend zum Arbeitsgebiet des Erfinders. Aus jedem vernünftigen Zitat6 wird eine gerichtete Verbindung vom Zitierenden zum Zitierten gebildet. Bei mehreren Autoren müssen diese sich jedes Zitat gleichberechtigt teilen. Wird Artikel A von Artikel B zitert, und dann zitiert Artikel C später Artikel B, so profitieren davon auch die Autoren von Artikel A. Diese Methode ermöglicht eine gerechtere Bewertung von Zitaten, indem nicht nur die reine Anzahl, sondern eben auch die Bedeutung der Zitate mitberücksichtigt wird.

Nun wären Physiker keine Physiker, wenn sie nicht in letzter Sekunde doch noch einen Rückzieher machen würden. So gibt es kein wirkliches Ranking, also keine Rangliste der besten Physiker, und auch keine Möglichkeit, Physiker direkt miteinander zu vergleichen. Die Arbeit muss man sich schon selber machen.
Also, liebe Leser: Findet den “besten” Physiker an der RWTH! Wer ihn nennt, bekommt ein Zitat in der nächsten Veröffentlichung des Physikers, der im Jahr 2003 das 17. beste Ranking hatte. Versprochen!

via pro-physik

  1. Die dafür zuständigen Stellen sind momentan damit beschäftigt, das Menschrecht auf Umweltverschmutzung abzuschaffen []
  2. Schwert: zu schwer []
  3. 100m: zu weit []
  4. das heißt: Niedrige Werte sind besser. []
  5. das sind fast eine halbe Millionen Artikel []
  6. Das sind Zitate, die alle Autoren aufzählen – also kein “physikBlog et.al.” []
Kurzlink
Kategorien: Forscherisches, Profs, Zitadieren
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8 Antworten auf SARA vergleicht Physiker

  1. Christoph sagt:
    #1

    ha da ist er (oder sie) – also zumindest der dazugehörige Graph. Sag ich jetzt mal so.

  2. Basti sagt:
    #2

    RP Feynman ist der beste Physiker an der RWTH? Äh. Nö.

    Übrigens: Danke, Andi, für die Erstellung des Bildes.

  3. hape sagt:
    #3

    Hm nach ner kurzen Stichprobe könnte es glatt der Beneke sein

  4. Christoph sagt:
    #4

    @Basti: wer sprach denn hier von Feynman
    @hape: würde ich auch sagen – sonst lagen die meistens über 1%

    gabs den link dazu eigentlich? http://www.physauthorsrank.org/authors/show

  5. Andi sagt:
    #5

    Also Christoph, dein erster Kommentar, ne? Du sprichst, wie so häufig, in rätseln…

    Aber Beneke ist tatsächlich trumpf: http://www.physauthorsrank.org/pacs/rank/153508?author_query=beneke
    Stahl, Wuttig, Selke und Dohm liegen alle im 1,x-Bereich. Aber das ist leider eine Größenordnung mehr als Beneke.

  6. Geisler sagt:
    #6

    Ich kann mich erinnern, dass der Weinberg mal bei uns Professor war…;-)

    also, neue Aufgabe, findet einen, der besser ist als S. Weinberg; Gewinn? – Flasche Bier….

    müßte es nicht theoretisch auch Leute geben mit 0%, wenn also keiner häufiger zitiert wurde????

  7. Christoph sagt:
    #7

    ohne angezeigtes Bild machte das ganze natürlich nicht all zuviel Sinn – diese gemeine Dropbox.

  8. mazzi sagt:
    #8

    Man könnte auch einfach mal alle Nobelpreisträger durchprobieren. z.B:

    http://www.physauthorsrank.org/pacs/rank/4246?author_query=WILCZEK