Kalte Fusion — der nächste Versuch

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Kommentar

Vor einem halben Jahr habe ich hier schonmal über die kalte Fusion berichtet. Eine (wirklich) kurze Einführung, worum es geht:


Bei der Kernfusion ist es das Ziel, Atomkerne zu verschmelzen. Macht man das mit leichten Kernen (z.B. Helium) entsteht dabei Energie — so wie in der Sonne. Dummerweise braucht man bestimmte Bedingungen, damit das auch klappt. Entweder hohen Druck und enorme Temperaturen (heiße Fusion) oder man schafft andere Rahmenbedingungen, damit das auch bei Raumtemperatur klappt (kalte Fusion).

1989 hat eine Forschergruppe erstmals behauptet, die kalte Fusion entdeckt zu haben, das stellte sich leider als falsch heraus. Vor knapp einem Jahr hat eine japanische Arbeitsgruppe die gleiche Entdeckung mit einem anderen Verfahren behauptet. Der Beweis dazu steht allerdings noch aus. Und jetzt gibt es wieder eine Gruppe, die behauptet, Energie mit kalter Fusion erzeugt zu haben.


Eine Forschergruppe um Mosier-Boss des US-Navy-Instituts Space and Naval Warfare Systems Command (SPAWAR) in San Diego behauptet, einen Effekt beobachtet zu haben, der mit kalter Fusion zu erklären sei. Das haben sie im Oktober 2008 in einem Paper veröffentlicht und nun auf einer Konferenz in Salt Lake City vorgetragen.

Das verwendete Experiment sah so aus: In einer Lösung aus schwerem Wasser (Deuterium), Lithiumchlorid und Palladiumchlorid befanden sich zwei Elektroden, zwischen denen eine Spannung angelegt wurde. Aufgrund dieser Elektrolyse des Palladiumchlorid ist das Experiment sehr ähnlich zum ersten von 1989 — dort kam Palladium und schweres Wasser zum Einsatz.

Prinzip der Detektion
Das Prinzip des Rückschlusses auf Neutronen (Quelle: NewScientist)

Neben dem Experiment wurde ein Teilchendetektor aus Plastik gebaut, in dem nach ein paar Wochen drei 3-µm-lange Löcher entstanden sind. Diese Löcher stammen wohl von α-Teilchen1, die von einem hochenergetischen Neutron mit 14 MeV erzeugt worden sein sollen. Und dieses Neutron kann in dieser Energie nur aus einem Kernfusionsprozess entstehen.

Dummerweise gibt es noch ein paar Probleme mit dem Experiment:
1. Das Experiment muss reproduziert werden können, das steht noch aus.
2. Es ist nicht klar, ob die Spuren im Detektor wirklich auf ein Neutron schließen lassen oder nicht durch Hintergrundstrahlung oder andere Effekte hervorgerufen sind.
3. Wenn man das ausschließen kann und es wirklich Neutronen aus der Elektrolyse sind, dann ist die Frage ob man das Experiment so erweitern kann, dass man damit schließlich Energie gewinnen kann.
4. Und dann besteht noch die Frage, warum das überhaupt funktionieren kann. Alle bisherigen theoretischen Ansätze sagen voraus, dass kalte Fusion nicht sein kann.

Mal gucken, was sich da noch so entwickelt.

Quellen & mehr:
Spiegel Online
NewScientist
EurekAlert!
Paper der Gruppe

  1. Helium-Kerne ohne Elektronenhülle []
Kurzlink
Kategorien: Experimentatives, Weltiges
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Eine Antwort auf Kalte Fusion — der nächste Versuch

  1. Basti sagt:
    #1

    Wie heißt es so schön? “Drei Löcher machen noch kein Neutron.”